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Das weibliche Geschlecht? Nein, wie ekelig!

Wir haben euch vom Kanamara-Matsuri berichtet: dem Fest des stählernen Phallus. Dabei werden große Penisstaturen durch die Straßen getragen. Und es ist nicht das einzige schräge Fest dieser Art. Mitte März gibt es das Honen-Matsuri. Auch bei diesem Fruchtbarkeitsfest wird ein großer Penis in einer Parade zur Schau gestellt. Das weibliche Geschlecht wird völlig außen vor gelassen. Und wer doch versucht Aufmerksamkeit darauf zu lenken, wird verklagt.

Megumi Igarashi und das Vulva-Kajak

Megumi Igarashi ist auch unter dem Pseudonym Rokude Nashiko (deutsch: Taugenichts) bekannt. Sie kämpft mit ihrer Kunst dafür, dass weibliche Genitalien kein Tabu mehr sind.
Lange Zeit hat sie sich Sorgen darüber gemacht, ob ihre Vagina abnormal ist, da sie als Kind nie gesehen hat, wie weibliche Genitalien normalerweise aussehen sollen. Igarashi hat als Experiment damit angefangen, Abdrücke ihrer Vulva als Dioramas zu verwenden. Dafür erntete sie viel Kritik. Das hat die Künstlerin aber nur bestärkt. Jetzt sieht sie ihre Werke als wichtige Statements an. Frauen sollen ohne Scham über ihren Köper reden können. Die Vulva ist auch nur ein Körperteil wie jeder andere. Nach Kerzenhaltern, Spielautos und Handyhüllen in Vulva-Themen und ihrem Manga mit der Figur Manko-chan (auf Deutsch: kleine Fotze) wollte Igarashi ein größeres Kunstwerk beginnen. Ihre Entscheidung fiel auf ein Kajak. Sie hat mit Hilfe eines 3D-Scans dem Boot die Form ihrer Vulva verliehen.

Der Penis wird gefeiert, aber Vaginas sind obszön!

Viele von Megumi Igarashis kleineren Kunstwerken wurden schon in Razzien von der Polizei konfisziert. Für ihr Vulva-Kajak wurde sie verhaftet.  Laut Regierung hätte sie gegen das Sittengesetz verstoßen. Das Kajak hat Igarashi mit Hilfe von Crowdfunding finanziert. Alle diejenigen, die mehr als 3000 Yen gespendet haben, bekamen die Daten des 3D-Vulva-Scans als Dankeschön zugeschickt. Und genau das soll gegen das Gesetz verstoßen haben. Igarashi legte Einspruch ein. Außerdem starteten ihre Fans eine Petition- die mehr als 21.000 Menschen unterzeichnet haben, die dazu aufrief, sie frei zu lassen.
Doch sie wurde erneut angeklagt. Diesmal zusammen mit Minori Kitahara, einer feministischen Aktivistin und Besitzerin eines Ladens für Sexspielzeug. In ihrem Laden stellte sie Werke von Igarashi aus. Das gab die Polizei als einen neuen Faktor und damit als Grund für die erneute Anklage an.
Da das Kajak aufgrund der grellen Farbe nicht sofort als Vulva zu erkennen ist, wurde sie in diesem Punkt freigesprochen.
Schuldig gesprochen wurde sie aber für die Verbreitung von Obszönitäten und erhielt eine Geldstrafe. Aber Megumi Igarashi ist weiter davon überzeugt, dass ihre Vagina nichts Obszönes ist.

Sexistische Kackscheiße

Die Sexismus-Debatte nach der Urteilsverkündung hat dem Thema zumindest für kurze Zeit  große Aufmerksamkeit gebracht. Auch international.  Jon Stewart sagte in seiner berühmten Daily Show: „Japan, ihr verhaftet ein Frau, weil sie ihre Vagina 3D druckt, aber gebt Penissen einen eigenen Freitag? Was habt ihr gegen Vaginas?“
Recht hat er. Wenn nichts dagegen spricht einen großen rosa Penis durch die Straßen zu tragen, spricht auch nichts dagegen, das weibliche Geschlecht zu zeigen.
Braucht die Welt ein Vulva-Kajak? Vermutlich nicht unbedingt. Aber wir finden, dass Igarashi Recht hat, gleiches Recht für alle zu fordern. Was als obszön gilt, sollte nicht nur der männlichen Perspektive entsprechen, so wie es im Moment laut Igurashi in Japan noch ist. Und mit ihrer Kunst zwingt sie die Gesellschaft sich mit der ungleichen Behandlung der Geschlechter auseinander zu setzen.

Wer mehr über das Thema wissen möchte, kann auch Igarshis Buch lesen.  Bisher ist es aber nur auf Englisch erschienen. Rokudenashiko: What is Obscenity? The Story of a Good for Nothing Artist and Her Pussy.
Und in dem Film #Female Pleasure ist sie eine der fünf Hauptdarstellerinnen.

Was haltet ihr von diesem Ungleichgewicht?

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