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Karoshi: Tod durch Überarbeiten – endlich vorbei?

Ja, Japan hat ein eigenes Wort für den Tod durch Überarbeiten: Karoshi  過労死. Die Todesursache dabei ist ein durch Stress ausgelöster Herzinfakt oder Schlaganfall. In den letzten Jahren wird heftig diskutiert, ob Suizide aufgrund von arbeitsbedingten psychischen Erkrankungen auch dazu zählen, die 過労自殺 Karojisatsu.  Auch in Südkorea und China gibt es ein großes Problem mit dem Tod durch Überarbeiten. In 2017 sind 191 Menschen in Japan an dieser Karoshi gestorben. Ein ernstes Problem, gegen das die Regierung schon länger versucht vorzugehen.
Die neuen strengeren Überstundenregeln sollen nun endlich eine Veränderung bringen.

Nur noch drei Überstunden pro Tag?

Die neuen Reformen gelten dieses Jahr erst mal nur für Großunternehmen. Im Monat dürfen es nur noch 100 Überstunden sein. Im ganzen Jahr darf die Anzahl der Stunden 720 nicht überschreiten, sonst muss die Firma Strafe zahlen.
Auch was den Urlaub betrifft, gibt es neue Regeln. Alle Arbeitnehmer, die zehn oder mehr Tage Urlaub haben, sind verpflichtet, mindestens fünf Tage dann auch wirklich freizunehmen. Denn viele Japaner haben ein schlechtes Gewissen sich Urlaub zu nehmen. Sie benutzen wenn überhaupt im Schnitt nur die Hälfte ihrer zugeteilten Tage. Die Regierung hofft, dass mit den Reformen die Angestellten  70 Prozent ihrer freien Tage in Anspruch nehmen. Diese Regeln gelten ab 2020 dann auch für kleine Unternehmen.
Ein Kritikpunkt ist das Befreiungssystem für Angestellte. Alle Mitarbeiter, die von der Firma als Fachpersonal angesehen werden und ein Jahreseinkommen von 10,75 Millionen Yen (ca. 85.800 Euro)haben, werden von diesen Regeln befreit. Die Idee dahinter ist, dass Mitarbeiter nach ihrer Leistung bezahlt werden sollen und Freiheit für flexiblere Arbeitsstile bleiben soll.
Allerdings befürchtet die Opposition, dass diese Ausnahme für weitere Überarbeitung sorgt.

Woher kommt der Überstundenwahnsinn?

Dass 720 Überstunden im Jahr eine Reduzierung ist, sagt viel über die jetzige Arbeitssituation in Japan aus.  Viele Japaner arbeiten bis so spät in die Nacht, dass sie den letzten Zug verpassen. Dieser fährt gegen 23 Uhr. Während einige dann einfach an ihrem Schreibtisch schlafen, gehen viele in die Capsel-Hotels. Die Büroangestellten sind neben neugierigen Touristen die besten Kunden der minimalen Zimmer. Und früh morgens geht es gleich wieder ins Büro. Da bleibt keine Zeit für auch nur minimale Bewegung. Zeit für richtiges Essen gibt es auch kaum.

Was machen die ganzen Japaner nur in dieser vielen Arbeitszeit?  Zum Teil geben sie vor beschäftigt zu sein. Produktivität ist nicht der Punkt bei den langen Arbeitsstunden. Es geht eher darum zu zeigen, welche Hingabe und welches Engagement man der Firma und auch den Kollegen entgegenbringt. Die eigene Familie und die Freunde bleiben dann außen vor.
Aber das Arbeitspensum steigt durch den Arbeitskräftemangel auch stetig.  Aufgrund der sehr geringen Geburtenrate fehlt es an Arbeitern. Und was ausländische Arbeitskräfte betrifft, ist es in Japan wie bei uns. Man braucht sie, will sie aber nicht wirklich haben.

Fazit:

Die neuen Regelungen sind definitiv ein Schritt in die richtige Richtung. 720 Überstunden im Jahr klingen trotzdem noch nicht nach einem gesunden Arbeitsverhältnis.  Hoffentlich helfen die neuen Gesetze aber dabei ein Umdenken in der Gesellschaft anzustoßen. Denn das größte Problem ist das Pflichtgefühl, das die Japaner dazu zwingt sich zu Tode zu arbeiten. Und das muss sich ändern!

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